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Der Osthang war mehr als nur eine Fläche


Die gestrige Nachricht zum Baustopp des Informationszentrums auf der Mathildenhöhe trifft einen Punkt, der uns immer noch schmerzt. Denn bevor der Osthang zu einer Planungsfläche wurde, war er für viele Menschen in Darmstadt längst etwas anderes: ein Kulturort, ein Treffpunkt, ein Freiraum, eine kleine Oase mitten in der Stadt.


Ein Ort, an dem Menschen zusammenkamen, Veranstaltungen entstanden, Freundschaften geschlossen wurden, man frei sein konnte, Ideen ausprobiert wurden und Kultur nicht nur konsumiert, sondern gemeinsam gelebt wurde. Für viele Darmstädter*innen war der Osthang ein selbstverständlicher Teil des kulturellen Lebens dieser Stadt.


Solche Orte entstehen nicht auf dem Reißbrett. Sie wachsen.

Über Jahre entstehen Beziehungen, Erinnerungen, Vertrauen und eine eigene Identität. Genau deshalb lässt sich ein gewachsener Kulturort auch nicht einfach an einen anderen Ort versetzen und dort wieder einschalten.


Für das geplante Informationszentrum wurde dieser Ort geräumt, bestehende Strukturen verschwanden und Bäume wurden gefällt. Nun hat die Stadt angekündigt, das Vorhaben grundsätzlich neu zu bewerten.


Das hinterlässt bei uns vor allem eine Frage: Musste Darmstadt diesen Ort wirklich verlieren, bevor geklärt war, was an seiner Stelle entstehen soll?


Wir hätten uns gewünscht, dass die Mathildenhöhe und der Osthang nicht gegeneinander gedacht werden. Denn gerade hier hätte etwas Besonderes entstehen können: ein Ort, an dem das kulturelle Erbe Darmstadts auf seine heutige freie Kulturszene trifft.


Die Mathildenhöhe und der Osthang hätten niemals Gegensätze sein müssen. Darmstadt hätte hier beispielhaft zeigen können, wie UNESCO-Welterbe, etablierte Kultur und eine lebendige, freie und subkulturelle Szene nebeneinander bestehen, voneinander lernen und sich gegenseitig bereichern können.

Gerade die Verbindung von historischem Erbe und gegenwärtiger kultureller Praxis hätte diesem Ort eine besondere Qualität geben können.


Hochkultur und Subkultur.

Welterbe und Experiment.

Geschichte und Gegenwart.


Nicht als Konkurrenz, sondern als Teil derselben Stadt.

Darmstadt hat mit dem Osthang nicht einfach eine Fläche verändert. Ein Stück gewachsene Stadtkultur wurde herausgelöst und damit auch eine Oase, mit der sich viele Menschen verbunden gefühlt haben.


Wir können die damaligen Entscheidungen nicht rückgängig machen. Aber wir können daraus lernen. Mit OHA West bauen wir derzeit an einem neuen Kultur- und Begegnungsort und führen unsere Arbeit weiter. Der Osthang bleibt für uns dennoch ein besonderer, nicht ersetzbarer Teil unserer Geschichte.


Der Osthang hat nach wie vor ein großes Potenzial, einen positiven Beitrag für unsere Stadtgesellschaft zu leisten. Dass dem so ist, haben Veranstaltungen der Initiative „Osthang bleibt!“ und der bis vor kurzem dort existierenden Mahnwache gezeigt.


Vielleicht sollte die jetzige Neuausrichtung deshalb nicht nur die Frage beantworten, wie Welterbe künftig vermittelt wird, sondern auch, welchen Wert gewachsene Kulturorte, Freiräume und selbstorganisierte Strukturen für eine Stadt haben.

Denn eine lebendige Kulturstadt entsteht nicht nur durch das, was geplant wird. Sie entsteht auch dort, wo Menschen selbst anfangen, einen Ort mit Leben zu füllen.

 
 
 

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